Das neue KAV-Nachtdienstschema mit 12,5 h Permanenteinsatz UND Nachtdienstreduktionen grenzt schon an Körperverletzung.

Bei den Konsequenzen dieser neuesten Dienständerung fragt man sich: ist das Absicht oder weiss die KAV-Führung nicht was sie verursacht?

Hat die wohlbekannte und verhasste externe Beratungsfirma alle KAV-Insider „an die Wand gedrückt“?

Warum kämpfen Ärzteschaft und Ärztekammer so erbittert gegen diese Kombination?

Ich werde die Folgen ganz einfach aufzählen:

  1. der 12,5 h Permanentnachtdienst ist wegen nicht definierter Ruhezeiten außerordentlich gesundheitsschädlich
  2. die Fehlerhäufigkeit der ärztlichen Tätigkeit wird zweifellos steigen und die Ärzteschaft hat panische Angst davor Fehler zu machen, da der soziale Druck für fehlerhafte Arbeit im Spitals enorm ist. Die Ärzteschaft als Letztverantwortliche wird alle Probleme büssen müssen.
  3. Die restlichen Wochenstunden nehmen zu, da (durchschnittlich) 46 minus 12,5 mehr Restarbeitsstunden ergeben als (durchschnittlich) 46 minus 25. Das bedeutet nichts anderes, dass die erhöhte Belastung der Permanentnachtdienste durch eine erhöhte Wochenstundenanwesenheit noch verstärkt wird.
  4. Das unreflektierte Einsparen von Nachtdiensten führt zur weiteren Arbeitsverdichtung der damit verkleinerten Diensträder. Weniger Ärzte müssen die selbe Patientenanzahl übernehmen. Eine Arbeitsaufteilung zwischen 1h bis 5h nachts ist praktisch nicht mehr möglich
  5. Die Reduktion der nächtlichen Spitalsaufnahmen wird von den versprochenen, spärlichen Notaufnahmestationen keineswegs kompensiert, da aufwendige Problemfälle immer auf die Fachabteilung weiter geschickt werden (müssen). Blutungen, Erstickungsanfälle, Unfälle, hohes unbeherrschbares Fieber, Blutdruckkrisen, Herzinfarkte, diabetische Entgleisungen, etc.,etc. gehen immer sofort an die Fachabteilung.

Da dem Wiener Bürgermeister die Kontrolle über die KAV-Führung vollends entglitten ist, war die Eskalation der Proteste zu erwarten.

Übrigens: die Gehaltssteigerungen vom Grundgehalt über 30-50% sind auf unredliche Art überzeichnet, da zusätzliche Zahlungen fast gänzlich verschwinden und die gesamte Ärzteschaft auf eine Gehaltserhöhung die folgenden zwei Jahre verzichtet: mit „vererbten“ Abzügen bis zur Pension.

Günter Koderhold

3 Gedanken zu „Das neue KAV-Nachtdienstschema mit 12,5 h Permanenteinsatz UND Nachtdienstreduktionen grenzt schon an Körperverletzung.“

  1. Danke Günter für Deine wie immer sachliche und fundierte Analyse der Situation. Jahrzehntelange Arbeit im einstmals passablen Wiener Gesundheitswesen ist eben die wertvollste Expertise, der sich auch die führenden Köpfe im Wiener Krankenanstaltenverbund nicht verschließen sollten. Intelligente Reformen und Problemlösungen müssen möglich sein, v.a. wenn sachbezogen analysiert und argumentiert werden darf.

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